Happy Heppert - Espanhola

Mein Job - wer lange sucht, wird fündig...

1996 war es soweit, ich beendete meine Schulkarriere erfolgreich mit dem Abitur. Ich hatte 12 Jahre Schule hinter mir und dachte mir, super jetzt fängt die Freiheit an - als Schülerin träumte ich immer davon, endlich Arbeiten zu können - keine Hausaufgaben mehr, kein lernen, keine Klausuren, endlich das machen, wozu ich Lust habe! Während meiner Schulzeit hatte ich vielerlei Vorstellungen von dem, was ich einmal machen wollte, das fing mit der Tierärztin an, ging über die Schauspielerin, Sängerin, Pilotin etc. Jetzt war es endlich soweit und nun hatte ich plötzlich überhaupt keine Ahnung, was ich machen wollte! Plötzlich ging alles so schnell und ich hatte ja gerade erst 12 Jahre Schule hinter mir, eigentlich wollte ich das Leben doch noch ein bisschen geniessen, bevor der Ernst des Lebens weitergeht. 
 
Doch schnell stellte ich fest, dass das Leben nicht nur aus Reisen, Sport und Spass besteht, da man dafür ja auch das nötige Kleingeld benötigt! Ich musste also eine Entscheidung fällen. Ich überlegte hin und her. Schliesslich kam ich zu dem Schluss, da ich gern reise, sollte es etwas mit Tourismus sein! Warum also nicht Tourismus studieren? Schnell informierte ich mich bei der Fachhochschule für Tourismus in Wernigerode. Die sagten, ja, Bedingung sei allerdings ein NC von 1,1, wenn man den nicht hat, müsse man mit mehreren Wartesemestern rechnen. Den hatte ich natürlich nicht. Aus der Traum! Was nun? Aufgeben ist nicht, also bewarb ich mich bei dem damals einzigen Reisebüro meiner Stadt. Anfangs sah alles ganz gut aus, ich machte einen Einstellungstest und hatte mehrere Gespräche, doch dann klappte es leider auch nicht, da sich das Reisebüro kurzfristig dazu entschlossen hatte, niemanden einzustellen. Das machen, wozu man Lust hat, einfach war das also nicht!
 
Ich war am Ende mit meinen Ideen, verzweifelt darüber, dass es gar nicht so einfach war, einen Job zu finden, der einem Spass macht, doch dann kam der Lichtblick. Mein Vater kam mit einem tollen Buch "Alternativen zum Studium" nach Hause. Sofort blätterte ich das Buch durch und fand auch schnell etwas, was scheinbar zu meinen Vorstellungen passen würde: Fremdsprachenkorrespondentin. Ich überlegte nicht lang, sondern bewarb mich direkt. Es dauerte ca. 4 Wochen, dann kam am 17. Juli 1996 der alles entscheidende Brief - "vielen Dank für Ihre Bewerbung. Nach Prüfung Ihrer Unterlagen, freuen wir uns, Ihnen mitteilen zu können, dass wir einen Ausbildungsplatz für Sie haben. Die Ausbildung beginnt am 01.08.1996, um 09.00 Uhr. Bitte seien sie pünktlich." Ich freute mich wahnsinnig, es ging also doch. Und dann fiel mir ein, dass es da noch ein kleines Problem gab. Die Ausbildung war in Düsseldorf und ich wohnte ja in Wernigerode, ich musste also innerhalb von knapp 2 Wochen eine Wohnung in Düsseldorf finden und umziehen. Meine Eltern waren zum damaligen Zeitpunkt gerade im Urlaub, ich musste das Problem mit meinen damals gerade mal 18 Jahren also allein lösen, da meine Eltern erst ein paar Tage vor meinem Ausbildungsbeginn zurückkamen und das wäre definitiv zu spät gewesen! Doch dann kam mir ein Gedanke - wir hatten Verwandte in Burscheid und das ist ja in der "Nähe" von Düsseldorf. Schnell rief ich dort an - sie freuten sich und sagten mir, dass es überhaupt kein Problem sei und ich dort so lange wohnen könnte, wie ich möchte. Super, ich freute mich wie ein Schneekönig, meinem Umzug stand also nix mehr im Wege.
 
Der 28. Juli 1996 war der Tag, an dem ich von zu Hause auszog. Begleitet von einer Reisetasche mit den wichtigsten Dingen und ein paar Klamotten begab ich mich zusammen mit meinen Eltern auf die grosse Reise. Nach ca. 4 Stunden kamen wir in Burscheid, meinem vorläufigen, neuen Zuhause an. Alles war perfekt, ich bekam sogar ein eigenes Zimmer. Von jetzt an sollte sich mein Leben also verändern, ich war allein für mich verantwortlich und musste selber schauen, wie ich weiterkam, dafür konnte ich ab jetzt aber auch tun und lassen, was ich wollte. Irgendwie ein schönes Gefühl! Am nächsten Tag fuhren wir nach Düsseldorf, schliesslich wollte ich wissen, wo meine Ausbildung startet und wie ich dorthin komme. Schnell fanden wir die Adresse. Mit dem Auto war das auch gar kein Problem, wie ich später erfuhr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hingegen schon. Wir erkundigten uns nach einer geeigneten Verbindung von Burscheid nach Düsseldorf - die gab es nicht. Die Fahrt dauerte pro Weg 3 Stunden - von Burscheid nach Leverkusen Opladen - von Leverkusen Opladen nach Langenfeld und von Langenfeld nach Düsseldorf - ich musste also jeden Morgen um 05.00 Uhr losfahren! Das war hart, aber da musste ich nun einmal durch, mir war klar, dass ich so schnell wie möglich eine geeignete Wohnung in Düsseldorf finden musste. Mit Hilfe meiner Verwandten gelang mir das auch relativ schnell, nach 6 Wochnen hatte ich meine erste eigene Wohnung - ein Zimmer im Studentenheim ganz in der Nähe meiner Ausbildungsstätte!

 

Nun zu meiner Ausbildung - der 01. August 1996 - der erste Tag meiner Ausbildung. Ich war pünktlich um 09.00 Uhr dort und total gespannt, was mich erwarten würde! Leider stellte ich schon in den ersten Stunden fest, dass die Ausbildung doch nicht das war, wofür ich sie gehalten hatte. Abgesehen von den Sprachen hatte die Ausbildung nämlich rein gar nichts mit dem Tourismus zu tun. Ich hätte mich einfach ein bisschen besser informieren sollen, aber dafür war es nun leider zu spät, ich war bereits mittendrin und was man anfängt, bringt man auch zu Ende! Ausserdem sagten uns die Lehrer, dass wir mit dieser Ausbildung hervorragende Jobaussichten hätten und wir sehr viel Geld damit verdienen könnten. Ich zog die Sache also durch und nach knapp 2 Jahren hatte ich es dann auch geschafft, ich schloss meine Ausbildung erfolgreich ab und war Fremdsprachenkorrespondentin für die Sprachen Englisch und Spanisch (IHK-Prüfung). Aber was nun? Ich hatte eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung, aber noch keinen Job und den brauchte ich jetzt dringend, da ich ja eine Wohnung zu bezahlen hatte.

 

Auf der Suche nach meinem ersten Job, war mir meine Ausbildungsstätte sehr behilflich, sie gaben mir eine Kontaktadresse bei der ich mich bewerben könne. Das Unternehmen, welches auf die Herstellung von Zementmühlen spezialisiert war, suchte offenbar ganz dringend eine "Fremdsprachenkorrespondentin". Ich bewarb mich und erhielt schon kurz darauf einen Anruf, dass ich zum Vorstellungsgespräch eingeladen sei. Das Gespräch verlief sehr gut und ich bekam den ausgeschriebenen Job sofort und konnte somit am 01. August 1998 anfangen. Super geschafft - mein erster Job. Leider stellte sich sehr schnell heraus, dass das Unternehmen eigentlich eine Dolmetscherin anstelle einer Fremdsprachenkorrespondentin suchte, da mein Hauptjob darin bestand Handbücher für Zementmühlen (im übrigen riesige Teile) vom Deutschen ins Englische zu übersetzen und wie sich wahrscheinlich jeder vorstellen kann, wimmelte es in diesen Handbüchern natürlich von zementmühlentechnischen Fachausdrücken, die ich in der Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin natürlich nicht gelernt hat. Man hatte mich unter falschen Voraussetzungen eingestellt und entließ mich dann freundlicherweise am letzten Tag meiner Probezeit ohne Angabe von Gründen. 

 

Um weitere solcher Erfahrungen zu vermeiden, entschied ich mich zur Zeitarbeit zu gehen, denn dort hatte man die Gelegenheit, die Unternehmen kennenzulernen und die Unternehmen hatten ebenfalls die Gelegenheit, einen selbst kennenzulernen. Es dauerte nicht lange und ich wurde von einer Immobilienfirma übernommen. Dort arbeitete ich 4 Jahre. Es folgten Jobs in den verschiedensten Branchen: Entwicklung von Kosmetikprodukten, Projektentwicklung- und Verkehrsplanung, Forschung & Entwicklung von Waschmittelprodukten, Pharmaindustrie, Verlagswesen, Bauindustrie, Unternehmensberatung. Dadurch, dass ich in den verschiedensten Branchen arbeiten durfte, konnte ich natürlich sehr viel dazulernen und in die verschiedensten Bereiche hineinschnuppern. 

 

Mein eigentliches Ziel, einen Beruf in der Tourismusbranche hatte ich dabei schon fast aus den Augen verloren. Doch das sollte sich ändern! Durch einen Brasilienabenteuerurlaub, den ich bei der Firma Abenteuerteam gebucht hatte, kam er wieder wieder ans Licht. Die Reise fazinierte mich, genauso wie der Job des Reiseleiters. Das wär genau das Richtige für mich! Und dann sagte mir der dort angestellte Reiseleiter auch noch, dass ich einfach mal im Büro anrufen solle, da dieses Jahr für Schweden neue Kanureiseleiter/innen gesucht werden. Das war meine Chance...

 

Kaum zu Hause angekommen, rief ich im Büro in Münster an. Da ich etwas nervös und aufgeregt war und gar nicht so genau wusste, wie und wo ich anfangen sollte, berichtete ich erstmal von dem tollen Urlaub und davon, dass mir ein Reiseleiter vor Ort davon erzählt hatte, das sie für dieses Jahr neue Reiseleiter/innen für Schweden suchen. Ich bekam einen Vorstellungstermin und nur 3 Tage später saß ich aufgeregt im Zug nach Münster. Das Gespräch war super und ich bekam einen Job als Nachwuchsreiseleiterin in Schweden. Ich war überglücklich! Im Juni ging es dann auf nach Schweden, ich war total aufgeregt und gespannt, was auf mich zukommen würde. Ich lernte den Job von der Picke auf mit allem was dazu gehörte und es machte mir riesigen Spaß – draußen sein, unter Leuten, paddeln, Holz hacken, Feuer machen, auf dem offenen Lagerfeuer kochen...! Diesen Job für immer, das wäre es, aber leider ist der Job als Kanureiseleiterin in Schweden nur ein Saisonjob und so kam ich im September nach Deutschland zurück und musste mir wieder einen Bürojob suchen!

 

Ich wusste, dass sich zwei frühere Arbeitskollegen von mir selbständig gemacht hatten und ich wusste auch, dass sie dringend jemanden suchten, also beschloss ich dort anzurufen. Gedacht, getan, ich rief an und bekam einen Termin zum Vorstellungsgespräch. Das Gespräch verlief sehr gut und ich wurde eingestellt. Der Job machte mir Spaß, aber irgendwie bekam ich Schweden nicht mehr aus dem Kopf. Ich wollte den darauf folgenden Sommer unbedingt wieder nach Schweden, aber wie sollte ich das meinen beiden Chefs erklären? Eines Tages kam einer der beiden dann auf mich zu und sprach mich darauf an und fragte mich, ob ich nicht wieder nach Schweden wolle, da ich so davon geschwärmt hatte und er den Eindruck hatte, das das der perfekte Job für mich wäre. Ich war total verwundert und fragte, ob sie mit meiner Arbeit unzufrieden wären und er sagte nein, ganz im Gegenteil, sie wären super zufrieden, aber sie hätten eben den Eindruck, dass ich kein Büromensch sei! Ich war super erleichtert, tagelang hatte ich überlegt, wie ich es ihnen erklären soll und dann so etwas. Auf der einen Seite ging ich schweren Herzens, auf der anderen freute ich mich natürlich wahnsinnig auf Schweden.

 

Und so kam es, dass ich mich im Juni 2006 wieder auf den Weg nach Schweden machte. Die Sonne schien und ich war bester Laune – schließlich hatte ich 4 Monate Schweden vor mir. Dieses Jahr war alles einfacher, ich kannte mich bereits aus, kannte die Strecken, wusste was zu tun war und lernte super, super viele nette Menschen kennen. Die Zeit verging wie im Flug und plötzlich war schon September. Ich wurde traurig, da ich keine Ahnung hatte, was ich danach tun sollte, eins war mir in diesem Sommer nämlich klar geworden, auf einen normalen Bürojob als Assistentin der Geschäftsführung oder ähnliches konnte und wollte ich mich nicht mehr bewerben. Mir blieben nur 3 Möglichkeiten, von denen ich zwei direkt ausschloss und die dritte auch keine wirkliche Alternative war:

  1. ich bewerbe mich wieder auf einen neuen Bürojob als Assistentin der Geschäftsführung

  2. ich melde mich arbeitslos

  3. ich fahr in den Urlaub, um den Kopf freizubekommen, vielleicht fällt mir ja da etwas passendes ein (auf die Idee kam ich durch eine super liebe Freundin)

Der September ging dem Ende zu, genauso wie die Saison und es kam der Tag an dem ich wieder Richtung Deutschland fahren musste. Ich war kein bisschen weitergekommen. Ich entschied mich noch ein paar Tage in Münster zu bleiben, um dann weiterzusehen. In Münster traf ich mich mit ein paar Freunden auf ein Bier und irgendwie müssen es dann wohl ein paar mehr geworden sein, denn als ich am nächsten Morgen aufwachte, lag im Drucker eine Flugbestätigung nach Ecuador, einen Monat, Hinflug in 4 Tagen. Uups, dachte ich mir, aber so hatte ich meine Entscheidung getroffen, 3. Urlaub machen, um den Kopf freizubekommen. 

 

Und so kam es, dass ich 4 Tage später, Anfang im Oktober 2006, im Flieger nach Ecuador saß, eigentlich eine ziemlich dumme Idee, weil ich mich damit natürlich nicht mal mehr arbeitslos melden konnte, aber mit Verstand hatte das wohl wenig zu tun und wer weiss, vielleicht würde ich ja damit auch weiterkommen. Ich verbrachte einen wunderschönen Monat in Ecuador, lernte Land und Leute kennen, traf die Freundin, die mich überhaupt auf diese Idee gebracht hatte und besuchte die ein oder andere Incomingagentur, um mir mal einen Eindruck über die touristischen Möglichkeiten vor Ort zu machen. Was das Nachdenken angeht, bin ich natürlich kein bisschen weitergekommen, weil ich gar nicht die Zeit dafür hatte und der Monat so schnell vorbei war, dass ich es kaum glauben konnte. Was ich natürlich hatte, waren jede Menge Ideen & Vorschläge, was man in Ecuador alles so anstellen könnte, touristisch gesehen natürlich. Mit jeder Menge tollen Eindrücken, Ideen & Vorschlägen flog ich einen Monat später zurück nach Deutschland, noch keine Vorstellung davon, wozu das führen würde.

 

Ich war zurück in Deutschland! Total begeistert von Ecuador, von Land, Leuten und Landschaft und den Kopf voll mit Ideen und Vorschlägen für eine Ecuadortour, beschloss ich zwei Tage später nach Münster zu fahren und dem Abenteuerteam von meinen Erlebnissen, Eindrücken und Ideen zu erzählen. Das machte ich dann auch, ich setzte mich in den Zug und fuhr nach Münster! Der Chef war begeistert und entschloss sich, mich festeinzustellen. Wahnsinn, damit hatte ich nicht gerechnet! Plötzlich waren alle meine Probleme auf einmal beseitigt und ich wusste, dass ich instinktiv die richtige Entscheidung getroffen hatte, obwohl sie anfangs ziemlich naiv war.

 

Ich bin immer noch glücklich beim Abenteuerteam angestellt, inzwischen als Abteilungsleiterin und Produktmanagerin für ganz Südamerika & Skandinavien und als Kanureiseleiterin für Schweden!